Meisterpflicht für Fachkräftesicherung

Veröffentlicht am 04.08.2015 13:11 von Redaktion

Pressemitteilung Nr. 25 b vom 28.5.2015 der Handwerkskammer Düsseldorf

Von HWK Düsseldorf beauftragte Studie der Uni Göttingen bestätigt qualifikationsgebundene Zugangsberechtigung im Handwerk als volkswirtschaftlich unverzichtbar. Interviews mit Meisterabsolventen bestätigen Zusammenhang von Qualifikation, Wagnisbereitschaft und Aufstieg.

Die Meisterfortbildung ist der „Doktortitel des Handwerks“. Den bedeutendsten Karrieretitel im gewerblich-technischen Berufsbereich erwerben jedes Jahr bundesweit mehr als 20.000 Handwerkerinnen und Handwerker. Jeder zweite von ihnen, so bestätigen es regelmäßige Erhebungen der HWK Düsseldorf unter den alljährlich rund eintausend neuen Meisterabsolventen in ihrem Bezirk, plant eine Betriebsgründung oder -übernahme und schafft anschließend binnen fünf Jahren im Schnitt 3 neue Arbeitsplätze.

Ebenfalls über Jahrzehnte stabil und noch stärker ausgeprägt als der Gründungswille ist die Neigung der Meisterabsolventen, selbst Nachwuchs auszubilden. Stets bekunden rund drei Viertel der von der Kammer befragten erfolgreichen Prüflinge diese Absicht. Handwerksunternehmen in jenen 42 Berufen, die zur Gründung die Meisterpflicht oder eine vergleichbare Qualifikation voraussetzen, sind außerdem deutlich bestandsfester als Betriebe, die ohne eine fachlich-kaufmännische Vorqualifikation gegründet werden: 67 Prozent der im Jahre 2008 durch Meisterinnen und Meister in der Handwerksrolle der Kammer Düsseldorf eingetragenen Firmen existierten auch im Jahre 2014 noch. Mit diesen – empirisch untermauerten -Eigenschaften hat das Herzstück der Qualifizierungskette im deutschen Handwerk, die Meisterfortbildung, auch in Zeiten demografischen und wirtschaftlichen Wandels, ihren enormen Stellenwert für eine hochstehende Qualifizierungskultur, Wachstums- und Beschäftigungsstabilität in Deutschland behauptet.

Die Effekte der „Meisterklasse“ für den Arbeitsmarkt und die Erneuerung des Unternehmensbestandes sind nur zwei von vielen Untersuchungsgegenständen; alljährlich analysiert die Handwerkskammer Düsseldorf jeweils kurz vor ihrer zentralen Meisterfeier in wechselnden Fragestellungen die wichtigsten strukturellen Faktoren und soziökonomischen Auswirkungen der Meisterfortbildung; insbesondere Wie die jeweils nächste Generation dieser Leistungselite des Handwerks „tickt: ob und inwieweit sich die Motivationen und Ziele der Teilnahme an der Aufstiegsfortbildung wandeln; wie es um die Förderung der Fortbildung oder um die Bürokratiebelastung für die Meister-Startups oder um den Kapitalzugriff für Meistergründer steht (veröffentlicht zu den jeweiligen Meisterfeiern; hwk-duesseldorf.de/presse ).
In diesem Jahr hat die HWK die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Göttingen um eine Studie gebeten, die die Rolle des Meister-Handwerks für das duale System der beruflichen Bildung und die Fachkräfteversorgung in Deutschland beleuchtet. „Wir müssen in der Öffentlichkeit für den Erhalt der Qualifizierungspflicht im Handwerk immer wieder von Neuem werben. Noch immer hinterfragt etwa die EU-Kommission den Großen Befähigungsnachweis als bindende Voraussetzung für den Gewerbezugang im Vollhandwerk“, erläuterte Kammerpräsident Andreas Ehlert am Donnerstag vor Journalisten als Hintergrund für die Beauftragung. Die Gutachter stellen im Ergebnis fest: Eine Aufweichung der Meisterpflicht würde zu einer erheblichen Verringerung der Ausbildungsbereitschaft und -leistung des Handwerks führen; die Fachkräfteversorgung nicht nur fürs Handwerk, sondern auch für Industrie, Öffentliche Hand und andere Wirtschaftssektoren würde beeinträchtigt; eine Dequalifizierung würde massiv auf die Qualität der Leistung durchschlagen und damit auch jede künftige Wachstumsoption für den Handwerkssektor beschneiden. „Eine vereinfachte Deregulierungslogik, die Qualifikation als Wachstumshemmnis beschreibt, ist selbst das größte Wachstumshemmnis“, sieht Ehlert das Bildungs- und Aufstiegsmodell Handwerk in seiner Grundaufstellung voll bestätigt: „Leistungsvermögen und Gründergeist basieren auf drei Voraussetzungen, die einander bedingen: Know-how, Mut und Kreativität. Qualifikation ist die Basis. Fehlt sie, geht Risikobereitschaft ins Leere“.

Mithilfe ausführlicher Interviews mit Meisterabsolventen früherer Jahre (Abschluss vor drei, zehn bzw. zwanzig Jahren) untermauert die Kammer diesen Zusammenhang. Gefragt wurde dabei nach dem möglichen Anteil, der der Meisterfortbildung für die jeweilige berufliche und Persönlichkeitsentwicklung zukam. Das Ergebnis: Alle Interviewten bestätigten, sie seien in der Meisterfortbildung insbesondere in ihrem Antrieb zu bestmöglichem Können und Leistungsvermögen in ihrem Beruf und in ihrem Willen, mehr Verantwortung übernehmen zu wollen, gestärkt worden.

Nachstehend die wichtigsten Aussagen der befragten Meister/innen:

  1. Zahntechnikermeister Stefan Pannhausen:
    „Mein Anspruch ist, besser zu sein als andere“. Sich an Herausforderungen zu messen, um sie zu meistern – der Rheydter Stefan Pannhausen lebt sein Selbstverständnis aus: als Handwerker, Familienunternehmer in 2. Generation und sozial aktiver Familienmensch, der selbst sein exotisches Hobby im automobilen Cross-Sport mit Frau und seinen beiden Söhnen teilt. Die Meisterprüfung vor gut zehn Jahren war für den heute 39-Jährigen „nur der nächste logische Ausbildungs-Schritt“. Die bestmögliche Qualifikation eine „notwendige Grundlage, um als Zahntechniker für ein besseres Leben zu arbeiten – für meine Kunden. Und für mich selbst.“ Sein Können und seine Maximen gibt der Deutsche Offroad-Meister des Jahres 2000 nur zu gern auch an den Berufsnachwuchs weiter: in der fachlichen Unterweisung seiner Gesellen, demnächst auch seines ältesten Sohnes. Und an die nächste Meistergeneration, jahrelang, an der Düsseldorfer Meisterschule seines Gewerks.
  2. Damaszierermeisterin Margret Engel:
    Ihr war die unternehmerische Selbstständigkeit dagegen nicht in die Wiege gelegt: Seit fast 30 Jahren graviert und verziert die Solinger Damaszierermeisterin Margret Engel mit Hilfe der Ätztechnik glatte Oberflächen – von Schildern über Teller bis hin zu Modellbauteilen. Damaszieren: Das ist einerseits seit der Antike filigranes Kunsthandwerk. Andererseits High-Tech-Produktion auf Basis computeraufbereiteter Vorlagen. Die 48-Jährige liebt die gestalterische Raffinesse und lebt die Präzision, die der komplexe Herstellungsprozess in diesem metallverarbeitenden Beruf verlangt, dessen Beherrschung eine umfangreiche Ausbildung von dreieinhalb Jahren Dauer voraussetzt. „Ja, ich wollte es zur Meisterschaft bringen“, bekennt sie. Was ihr vor 21 Jahren gelang – als jahresbester Absolventin. Ihr Ausbilder fragte kurze Zeit darauf, ob sie seinen Betrieb weiterführen wolle – eine weitere Auszeichnung. Sie wollte, auch das Mehr an Verantwortung. „Mein Ziel ist es, das Geschäft noch mindestens bis 2027 zu führen“, gibt die erfolgreiche und leidenschaftliche Firmenchefin Margret Engel heute preis. Dann feiert der von ihr vor 18 Jahren übernommene Betrieb hundertjähriges Bestehen. Den Karren zu ziehen, längst auch als Obermeisterin ihrer Fachinnung, ist Margret Engels Wesensart als Meisterin ihres Fachs.
  3. Kfz-Technikermeisterin Kristina Lambrecht:
    Ganz so weit ist Kristina Lambrecht noch nicht. Aber auf dem besten Weg zu führender Verantwortung in einer Meisterwerkstatt ist die 25-Jährige Kraftfahrzeugtechnikermeisterin allemal bereits. Vor drei Jahren legte auch sie die klassische Fortbildungsprüfung in ihrem Handwerk ab. „Die erste Fahrt über den Nürburgring. Und: der Schritt, den Meister zu machen. Das waren die mutigsten Entscheidungen in meinem Leben“, erzählt die Krefelderin in einem Video für den You-Tube-Kanal der Handwerkskammer, das sie in Klettermontur in einer Hauswand in Halteseilen hängend gab. Die gelernte Kfz-Mechatronikerin liebt Risiko. Schnelle Autos vor allem. Und das am meisten dann, wenn sie selbst den Vortrieb optimieren kann. Die sportliche Krefelderin wollte den Meistertitel, um den Kunden die technisch bestmögliche Reparatur anbieten und kompetent erläutern zu können. „Und ich wollte eine Meisterstelle in dem Autohaus, das mich ausgebildet hat.“ Vier Jahre liegt die Entscheidung pro Meister mittlerweile zurück. Haben sich die Wünsche erfüllt? „Total. Ich bin jetzt die Qualitätsbeauftragte in unserer Firma!“

Die Interviews mit den Portraitierten in Originallänge: www.hwk-duesseldorf.de/Meisterfeier_2015

Kontakt:

Alexander Konrad
Leiter Kommunikation und Pressesprecher
Telefon 0211 8795-140
Telefax 0211 8795-144
alexander.konrad@hwk-duesseldorf.de

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