Gut 200 Zimmerer und Dachdecker beim Verbandstag

Veröffentlicht am 21.11.2016 08:54 von Redaktion NH-Nachrichten

 

 

Viele fachliche Tipps und einhelliges Ja zu Sozialpartnerschaft und gerechten Löhnen

 

Düsseldorf. Fachliche Weiterbildung, politische Diskussionen und den persönlichen Austausch – mit allem konnte der zwölfte gemeinsame Verbandstag der nordrheinischen Dachdecker und Zimmerer aufwarten. Neben Referaten zur Baupolitik des Landes, zu den technischen Problemfeldern Balkon-und Terrassentüren sowie Dachausbauten und zur Betriebsübergabe kam als neues „Format“ ein „Schlagabtausch“ in einem nachgebauten Boxring hinzu. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie zukunftsfähig Tarifverträge und die ihnen vorausgehenden Tarifverhandlungen sind.  Dabei stimmten die „Matadore“ überein, dass die Sozialpartnerschaft, verbindliche Regelungen der Arbeitsbedingungen und der Entlohnung sowie auskömmliche Stundenlöhne unverzichtbar seien. „Wir müssen unsere Berufe attraktiv halten für den Nachwuchs“, war deswegen der Tenor. Und: „Für gute Arbeit muss es auch gutes Geld geben.“ Die „Bruchlinie“ sehe er weniger zwischen den Unternehmern und ihren Mitarbeitern als vielmehr zwischen den tariftreuen Betrieben und ihren anders kalkulierenden Wettbewerbern einerseits und zwischen den Unternehmen und ihren Auftraggebern andererseits, die vielfach nicht bereit seien, „auskömmliche Preise“ zu zahlen, meinte etwa der Kölner Zimmermeister Sascha Nitsche. Sein Dachdeckerkollege Martin Weihsweiler sieht dagegen das Tariflohnsystem an sich kritischer. Deswegen will er in seinem Betrieb eine größere Flexibilität entsprechend der jeweiligen Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter vorschlagen als „Motivation und als Perspektive“. Während andererseits der Forderung von Matthias Braun, die Lohntarifverträge müssten für allgemeinverbindlich erklärt werden, eher mit Skepsis begegnet wurde, stieß der Vorschlag für eine eigene Lohngruppe für geringer Qualifizierte auf mehr Gegenliebe bei den „Boxern“ und ihrem Publikum. Diese zusätzliche Einstufung könne nicht zuletzt helfen, Geflüchtete in die Betriebe zu integrieren, die ja eine besondere Betreuung benötigten. Gut 200 Zimmerer, Holzbauer und Dachdecker waren nach Kamp-Lintfort gekommen. Dies zeigt, wie attraktiv   diese gemeinsame Tagung unverändert ist. Eingeläutet wurde sie von Sarah Philipp, der Sprecherin der SPD- Landtagsfraktion für Bauen, Wohnen und Verkehr. Sie kündigte an, dass die Novelle zur Landesbauordnung Mitte Dezember im Parlament verabschiedet wird. Zu den Streitpunkten, die bis dahin geklärt werden müssen, zählen unter anderem die Vorgaben zur Barrierefreiheit und vor allem zur Rollstuhlgerechtigkeit von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Die Erleichterung für Behinderte stehe da im Widerstreit zu bautechnischen Problemen der Grundrissgestaltung und zur Bezahlbarkeit der Wohnungen. Das Baugewerbe lehnt aus diesem Grund die bis jetzt vorgesehene Quote ab. „Da müssen wir sehr vielfältige Interessen berücksichtigt werden“, beschrieb Philipp die „intensive Arbeit“ rund um diese Frage. Problemloser und besonders für Zimmerer und Holzbauer erfreulich ist die vorgesehene Zulassung von bis zu fünfgeschossigen Bauten in Holzkonstruktion. Auf die weiterhin ungeklärte Entsorgungslage bei Polystyrol-Dämmmaterial angesprochen riet die Politikerin den Bauunternehmern, sich „dringend“ an ihre Landtagsabgeordneten und andere politisch Verantwortliche zu wenden. „Viele Träume von älteren Handwerksunternehmern über die Absicherung ihres Ruhestands platzen.“ So beschrieb der Betriebsberater der Handwerkskammer Düsseldorf, Ulrich Lippe, seine Erfahrungen, wenn er wegen einer Betriebsübergabe zu Rate gezogen wird. Der Unternehmenswert werde häufig deutlich zu hoch eingeschätzt im Vergleich dazu, was am Markt erzielbar ist. Das könne dann die Altbesitzer in finanzielle Nöte bringen. Lippe rief dazu auf, sich nach dem 50. Geburtstag mit der Frage zu beschäftigen, an wen der Betrieb übergehen und wie dies ablaufen solle. Ist ein möglicher Kandidat gefunden, müsse er auch nach außen klar erkennbar in die Unternehmensführung einbezogen werden und Schritt für Schritt „das Ruder übernehmen“. Insgesamt sei eine Firmenübertragung eine „vielfältige Herausforderung. Da gibt es zahlreiche betriebswirtschaftliche, rechtliche, steuerliche, psychologische und personelle Dinge zu beachten, damit alles reibungslos und positiv für alle Beteiligten erledigt werden kann.“ Sich einer unabhängigen Beratung zu bedienen sei da sehr wichtig. Kritik übte Franz-Josef Rossbroich, Dachdeckermeister und Sachverständiger, in seinem Vortrag über den schwellen-und barrierefreien Bau und Ausbau von Balkonen und Terrassen an den Herstellern von Tür-und Fensterelementen für den Übergang vom Haus ins Freie sowie an den Einbauern dieser Elemente. Bei ihrer Konzeption und bei der Installation werde zu wenig berücksichtigt, dass sie abgedichtet werden müssten gegen aufstauende Feuchtigkeit. Die Dachdecker seien dann sozusagen die letzten, die die Hunde beißen. Anstatt das Unmögliche doch noch zu versuchen riet Rossbroich seinen Kollegen, ihre Bedenken zu äußern und notfalls die Arbeit zu verweigern. Wenn die Holzkonstruktion faule, die Metallelemente rosteten oder sogar Wasser in die Innenräume eindringe und dort Schäden verursache, „sind Sie dran und müssen haften“, warnte er. Selbst bei bestem  Willen seien angesichts der „meist komplizierten“ Einbausituation Undichtigkeiten kaum zu vermeiden. „Den täglichen Wahnsinn“ kennt Kai Köhler, Zimmermeister und ebenfalls Sachverständiger, ebenfalls – rund um nachträgliche Eingriffe in Dachkonstruktionen. Im Regelfall gehe es um den Einbau, die Vergrößerung oder den Austausch von Dachfenstern. Auch dort sei es häufig schwierig, tatsächlich gegen Wind und Feuchtigkeit abzusichern. Für noch gravierender hält Köhler die Frage, wie die Statik des Daches bewahrt werden könne, wenn ein oder mehrere Balken durchtrennt werden müssen. Eine Frage ins Publikum bewies ihm, dass hierzu noch zu wenig Problembewusstsein herrscht. Ebenso müsse bei der Installation von Solaranlagen auf Dächern der Traglast ausreichend Augenmerk geschenkt werden.  PI 11/2016

 

Die Baugewerblichen Verbände als Stimme des Bau-und Ausbaugewerbes  

Die Baugewerblichen Verbände vertreten als Dachorganisation von sechs Verbänden aus dem Bau-und Ausbaugewerbe die Interessen von etwa 5.000 mittelständischen Unternehmen in NRW mit etwa 55.000 Mitarbeitern gegenüber Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie bieten zudem als Dienstleister umfassenden Service und Beratung für die Betriebe. In den ehrenamtlichen Gremien der Verbände engagieren sich gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Unternehmer. Das Baugewerbe stellt den bedeutendsten Handwerksbereich dar. Bei den zentralen wirtschaftlichen Kennziffern übertrifft es in NRW zudem die Bauindustrie sehr deutlich -bei Betriebs-, Mitarbeiter-und Umsatzzahlen um den Faktor 3, bei den Auszubildenden um den Faktor 6.

 

BAUGEWERBE-VERBAND NORDRHEIN

 

DACHDECKER-VERBAND NORDRHEIN

 

DEUTSCHER AUSLANDSBAU-VERBAND E.V.

FACHVERBAND AUSBAU UND FASSADE NRW

STRASSEN-UND TIEFBAU-VERBAND NORDRHEIN-WESTFALEN

ZIMMERER-UND HOLZBAU-VERBAND NORDRHEIN Kontakt: Harald Siebert

 

Graf-Recke-Str.43

40239 Düsseldorf

Tel.: 0211/ 91429 -18

h.siebert@bgv-nrw.de

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