Das Handwerk bleibt im Aufwind

Veröffentlicht am 15.03.2017 11:00 von Redaktion NH-Nachrichten

 

Stabile Konjunktur in der Region / Mehr Jugendliche starteten 2016 eine Ausbildung im Handwerk / Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen veröffentlicht sechs Wahlprüfsteine des regionalen Handwerks und setzt sich für Investitionen und den Abbau bürokratischer Hürden ein.

Präsentierten die Zahlen des Jahres 2016 und die Aussichten für 2017: (v.l.) Volker Walters, Geschäftsführer des Bildungskreis Handwerk e.V.; Kreislehrlingswart Ulrich John; Jürgen Krause, stv. Stadthandwerksmeister Lünen; Volker Conradi, Obermeister der Innung für Elektrotechnik Dortmund und Lünen; Kreishandwerksmeister Dipl.-Ing Christian Sprenger; Ass. Joachim Susewind, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen.

Präsentierten die Zahlen des Jahres 2016 und die Aussichten für 2017: (v.l.) Volker Walters, Geschäftsführer des Bildungskreis Handwerk e.V.; Kreislehrlingswart Ulrich John; Jürgen Krause, stv. Stadthandwerksmeister Lünen; Volker Conradi, Obermeister der Innung für Elektrotechnik Dortmund und Lünen; Kreishandwerksmeister Dipl.-Ing Christian Sprenger; Ass. Joachim Susewind, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen.

Das Handwerk in Dortmund und Lünen hat 2016 vom größten Wirtschaftswachstum seit fünf Jahren profitiert. Für Nordrhein-Westfalen bestätigte Handwerk.NRW (vormals: Nordrhein-Westfälischer Handwerkstag) ein Wachstum von 1,5 Prozent. Die Kauflust der Verbraucher wuchs dank niedriger Zinsen, die Zahl der Arbeitslosen sank und die Kommunen nahmen bedingt durch die Unterbringung von Migranten mehr Geld in die Hand. Die Auftragsbücher der meisten Betriebe waren damit im Berichtsjahr gut gefüllt. Besonders stark zeigte sich 2016 die Geschäftslage im Bau- und Ausbaugewerbe durch die hohe Nachfrage bei Neubauten und Modernisierungen. 88 Prozent der Unternehmen in Dortmund und Lünen bezeichneten bereits im August – so die Zahlen der Herbstumfrage der Handwerkskammer Dortmund – ihre Geschäftslage als befriedigend oder gut. Dieser Trend setzte sich bis in den Januar fort. Nach den Resultaten einer eigenen, im Januar durchgeführten Online-Umfrage der Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen unter 1.100 Innungsbetrieben beurteilen derzeit fast 93 Prozent (92,62 %) der Betriebe ihre Geschäftslage als befriedigend oder gut. Das Handwerk rechnet mit einem stabilen Jahr 2017: Neun von zehn (87,42 %) Unternehmen erwarten gleichbleibende oder steigende Umsätze und fast drei Viertel (72,11 %) setzen darauf, den Mitarbeiterbestand zu halten. Mehr als 18 Prozent (18,37 %) wollen in diesem Jahr sogar noch neue Mitarbeiter einstellen. Erfreulich ist auch, dass der weitaus überwiegende Teil der Betriebe (91,43 %) die Zahl der Ausbildungsplätze beibehalten oder sogar erhöhen (15,72 % ) will.

Mehr junge Menschen starteten Ausbildung

Auch für den Arbeitsmarkt im Handwerk war 2016 ein gutes Jahr. NRW verzeichnete mit 1,1 Millionen Beschäftigten im Handwerk rund 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr (Quelle: Handwerk.NRW). Dortmund und Lünen können auf eine stabile Entwicklung und wie im Jahr davor auf rund 35.900 Beschäftigte verweisen – davon ca. 32.000 in Dortmund und ca. 3.900 in Lünen. Gleichzeitig zeigte sich bei der Agentur für Arbeit eine gestiegene Nachfrage nach Arbeitskräften und ein Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit. Das Handwerk in Dortmund und Lünen trug seinen Teil zu dieser positiven Entwicklung bei und unternahm 2016 erneut große Anstrengungen, um möglichst vielen jungen Menschen die Chance auf eine gute berufliche Zukunft bieten zu können. Insgesamt 1.033 Auszubildende begannen hier im Berichtsjahr eine Lehre im Handwerk. Das sind rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr. In rund zwei Dritteln der Handwerksbetriebe der Region wird derzeit ausgebildet. Allerdings konnten 2016 18 Prozent der Betriebe keine geeigneten Bewerber finden. Zum Jahreswechsel waren in Dortmund noch 266 und in Lünen 21 offene Ausbildungsstellen in den Lehrstellenbörsen zu finden. Insgesamt standen 2016 3.466 Auszubildende in den Innungsbetrieben in Dortmund und Lünen in einem Lehrverhältnis. Die Gesamtzahl der Auszubildenden ist damit gegenüber 2015 (3.558 Auszubildende) leicht um 2,6 Prozent gesunken, was der bereits im zweiten Jahr hohen Zahl von über 1.000 abgehenden Prüflingen zuzuschreiben ist, (2015: 1.167, 2016: 1.114) die ihre Gesellenprüfung ablegten. Ebenfalls gesunken ist die Zahl der Betriebe in der Region. Mit insgesamt 4.684 (2016) gegenüber 4.749 (2015) gab es im Berichtsjahr 65 Betriebe oder rund ein Prozent weniger Handwerksunternehmen in der Region, darunter insgesamt 44 Vollhandwerksbetriebe (27 in Dortmund und 17 in Lünen). Die Gründe dafür liegen zumeist in Fusionen. Die Betriebe schlossen sich entweder aus wirtschaftlichen Gründen zusammen oder wurden im Rahmen von Nachfolgeregelungen vereint. Die Arbeitsplätze blieben dabei, wie die Beschäftigten-Statistik zeigt, bis auf wenige Ausnahmen erhalten.

Den Trend nicht abreißen lassen

Für das Handwerk in der Region Dortmund und Lünen geht es jetzt darum, den stabilen Wachstumskurs nicht zu bremsen oder abreißen zu lassen. Die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe muss 2017 und darüber hinaus erhalten bleiben. Entscheidend dafür sind stabile Rahmenbedingungen, die derzeit nicht überall anzutreffen sind. Die Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen hat deshalb sechs wesentliche Forderungen der Handwerksunternehmer in einem eigenen Positionspapier mit „Wahlprüfsteinen“ zusammengefasst, die im Wahljahr 2017 den Politikern der Region sowohl für die Landtags- als auch für die Bundestagswahl wichtige Impulse mit auf den Weg geben sollen. Denn das Handwerk in Dortmund und Lünen ist nach wie vor einer der größten Arbeitgeber in der Region, an dessen Interessen sich auch das Wahlverhalten vieler Beschäftigter und deren Familien ausrichten wird.

 

Kontakt und Nachfragen:

Kreishandwerkerschaft Dortmund und Lünen
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Hauptgeschäftsführer Ass. Joachim Susewind
Lange Reihe 62 | 44143 Dortmund
Tel: 0231 5177-112 | Fax: 0231 5177-196
www.handwerk-dortmund.de

 

 


 

Sechs Wahlprüfsteine des Dortmunder und Lüner Handwerks

 

  1. Verkehrsinfrastruktur verbessern

Erstmals seit 1973 ist NRW im vergangenen Jahr ohne neue Schulden ausgekommen. Statt der geplanten Neuverschuldung von 1,8 Milliarden Euro präsentierte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) bei der Vorlage des Jahresabschlusses einen Überschuss von 217 Millionen Euro. Auch im Bund stand unter dem Strich ein Plus von 6,2 Milliarden Euro. Das Handwerk in Dortmund und Lünen spricht sich bereits seit Jahren dafür aus, Investitionen in das Straßennetz angesichts der Überschüsse jetzt nicht mehr auf die lange Bank zu schieben.

Was wollen Sie tun, um die marode Infrastruktur in Dortmund und Lünen nachhaltig zu verbessern?

 

2.Digitale Kommunikation ausbauen

Durch eine umfassende Digitalisierung im Handwerk werden Unternehmen in Zukunft für den Kunden Zeit und Ressourcen sparen. Digitale Vernetzung und Datenaustausch in den Handwerksalltag zu integrieren, ermöglicht parallele Prozessabläufe in der Werkstatt sowie im Lager und auf der Baustelle. Konzepte für das „Handwerk 4.0“ müssen jetzt umgesetzt werden. Betriebe in Gewerbe- und Randgebieten dürfen von der Entwicklung nicht abgekoppelt werden.

Was wollen Sie tun, um die digitale Infrastruktur gerade in handwerklich genutzten Gewerbe- und Randgebieten so zu verbessern, dass Unternehmen den Anschluss nicht verlieren?

 

  1. Gleiche Chancen durch Bildung schaffen

Das Handwerk registriert derzeit – auch bedingt durch die Migrationsbewegungen –eine große Welle an bildungsbereiten Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen, die in das Berufsleben integriert werden wollen. Hier müssen auch im Jahr 2017 und darüber hinaus die Anstrengungen und Investitionen hoch gehalten werden, um den dringend benötigten Nachwuchs im Handwerk zu sichern. Gefordert ist dabei nicht nur im schulischen Vorfeld der Berufswahl eine verstärkte Aufklärung über Karriere­chancen im Handwerk, sondern auch eine Stärkung und Anerkennung des Dualen Systems als gesicherte berufliche Startposition abseits der rein akademischen Ausbildung.

Welche Maßnahmen planen Sie, um in Zukunft die berufliche Bildung im Handwerk bedarfsgerecht auszubauen?


 

  1. Bürokratische Hürden abbauen

Hohe Auflagen bei den Dokumentationspflichten nach dem Mindestlohngesetz machen den Betrieben das Leben ebenso schwer wie überzogene Umweltauflagen und Hygiene-Prüfungen. Aktuelles Beispiel ist das „Kontrollergebnis-Transparenz-Gesetz“, das die Existenz von Betrieben des Lebensmittel-Handwerks durch eine ungerechtfertigte „Rote Karte“ im Schaufenster innerhalb weniger Wochen gefährden kann.

Was wollen Sie tun, um diese ausufernde Bürokratie wieder auf ein Niveau mit Verstand und Augenmaß zu bringen?

 

  1. Flüchtlingen echte Chancen geben

Dank gezielter Maßnahmen der Arbeitsagentur sind 2016 bereits viele Geflüchtete mit Sprach- und Fachkursen auf eine Ausbildung im Handwerk vorbereitet worden. Die Herausforderung ist jetzt, die Menschen in eine Ausbildung zu bringen. Das Handwerk steht bereit, sich dieser Aufgabe zu stellen. Es erwartet dabei aber auch Unterstützung. So ist es Unsinn, Menschen aus einem gesicherten Herkunftsland möglicherweise jahrelang auf eine Rückführung warten zu lassen und ihnen zwischenzeitlich eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz zu verwehren.

Welche konkreten Maßnahmen werden Sie umsetzen, um Geflüchteten eine Ausbildung und Handwerksunternehmen eine wirtschaftliche Planung zu ermöglichen?

 

  1. Den Meister stärken – Betriebe stärken

Die zum 1. Januar 2004 in Kraft getretene Novelle der Handwerksordnung (HWO) wurde in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit beschlossen. Grundlage war die Befürchtung, durch den Meisterbrief würden Märkte abgeschottet. 12 Jahre später hat sich die arbeitsmarktpolitische Lage grundlegend geändert. Der Meisterbrief ist heute in vielen Handwerksberufen der Garant für die nachhaltige Existenzsicherung. Die Fehler der Novelle müssen jetzt durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht in ausgewählten Berufen behoben werden. Der Meisterbrief muss, wo er wirtschaftlich sinnvoll und erforderlich ist, wieder die ihm zustehende Anerkennung und Wertschätzung (auch als Äquivalent zum Bachelor-Studium) bekommen. Er steht im Sinne der Verbraucher für qualitätsgesicherte Ausführung handwerklicher Arbeiten und schafft in den Meisterbetrieben die Möglichkeit für eine qualifizierte und solide Berufsausbildung.

Wie positioniert sich Ihre Partei zur Meisterpflicht? Wo und mit welchen Maßnahmen werden Sie sich für die Wiedereinführung stark machen?

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Redaktion NH-Nachrichten

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Stefan Müller
Am Bertholdshof 87
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