Neuer Leitfaden von Baukultur NRW und Baukreisel für Materialkreisläufe
Gebäude stärker als Materialressource zu verstehen, gehört zu den zentralen Herausforderungen der Bauwende. Der Bau- und Gebäudesektor verursacht weltweit rund 34 Prozent der klimaschädlichen Emissionen, in Deutschland entstehen mehr als die Hälfte des Abfallaufkommens durch Bau- und Abbruchmaterialien. Mit der Publikation „Zirkuläres Bauen in Nordrhein-Westfalen – Praktischer Leitfaden zur Wiederverwendung von Holz, Ziegel und Stahl“ legen Baukultur NRW und Baukreisel eine praxisorientierte Studie vor, die Wiederverwendung als zentrale Strategie des zirkulären Bauens für kommunale Praxis fordert.
Im Fokus stehen die Materialien Ziegel, Holz und Stahl sowie die Frage, wie sich Bauteile aus dem Rückbau systematisch im Kreislauf halten lassen. Die Studie richtet sich insbesondere an Kommunen, Planende und Unternehmen der Rückbaupraxis, die Bauprozesse stärker als zusammenhängende Material- und Prozessketten verstehen und steuern.
Prozesse für den Baustoffkreislauf neu denken
Zirkuläres Bauen ist längst technisch möglich – entscheidend ist jedoch, wie effizient Abläufe ineinandergreifen. Die Studie zeigt, dass weniger neue Techniken fehlen als vielmehr koordinierte Prozesse zwischen Planung, Rückbau, Materialerfassung und Neubau zwischen Verwaltung, Planung und Handwerk.
Ziegel lassen sich in großen Mengen aus dem Gebäudebestand ernten und häufig unkompliziert wiederverwenden. Holz entfaltet die ihm zugeschriebene positive Klimawirkung vor allem als CO-Speicher – vorausgesetzt, es wird hochwertig weitergenutzt. Stahl ist bereits fest in Recyclingprozesse eingebunden, eröffnet darüber hinaus jedoch zusätzliche Möglichkeiten für die Wiederverwendung ganzer Bauteile.
Stärker als einzelne Lösungen rückt damit die Prozesskette in den Mittelpunkt: von der frühen Materialsammlung über den Rückbau bis zur Integration in neue Bauvorhaben. Auch gesetzliche Rahmenbedingungen, Normen und bestehende Zielsysteme des Bauwesens werden dabei als Teil dieser Strukturen betrachtet.
Kommunen als Hebel der Bauwende
Welche organisatorischen und strukturellen Hebel dafür entscheidend sind, untersucht die Studie am Beispiel kommunaler Praxis. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Wiederverwendung im bestehenden Planungssystem tatsächlich verankert werden kann.
Konkret wird dies am Beispiel der Stadt Gelsenkirchen. Im Rahmen des Programms „Zukunftspartnerschaft Wohnen“ werden dort Gebäude angekauft, entwickelt oder zurückgebaut, um neue Impulse für die Stadtentwicklung zu setzen. Die praxisnahe Untersuchung eines Beispielgebäudes zeigt, welche Materialwerte in solchen Immobilien liegen und wie Rückbau, Wiederverwendung und Stadtentwicklung stärker zusammengedacht werden können.
Wiederverwendung erscheint dabei nicht allein als technische oder ökologische Aufgabe, sondern auch als zentraler Bestandteil einer Umbaukultur, die den Wert bestehender Materialien und Strukturen neu bewertet und berechnet. So entsteht ein Ansatz, der ökonomische, ökologische und baukulturelle Perspektiven verbindet.
„Zirkuläres Bauen in Nordrhein-Westfalen – Praktischer Leitfaden zur Wiederverwendung von Holz, Ziegel und Stahl“ Ab sofort als Print-Ausgabe bei Baukultur NRW zu bestellen und außerdem als PDF zum Download: baukultur.nrw/zirkulaeres-bauen-in-nordrhein-westfalen
Über Baukultur Nordrhein-Westfalen
Baukultur Nordrhein-Westfalen ist als Institution im Land die Adresse für Baukultur. Wir initiieren, organisieren, vernetzen und kommunizieren aktuelle baukulturelle Themen. Dazu kooperiert Baukultur NRW mit vielen Partnern und unterstützt beispielhafte Projekte Dritter. Mit dem eigenen Museum der Baukultur präsentiert und inszeniert Baukultur NRW wichtige gesellschaftliche Fragen und Entwicklungen – in NRW und über die Landesgrenzen hinaus. Diese Form eines mobilen Museums der Baukultur ist weltweit einzigartig. Gefördert wird Baukultur NRW vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Über Baukreisel
Baukreisel ist ein interdisziplinäres Team aus Architekten, Ingenieuren sowie Menschen aus Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften und dem Recht. Entstanden aus jahrelangem Ausprobieren, Lernen im Machen und dem Wunsch, die Baupraxis konsequent weiterzudenken. Gegründet wurde Baukreisel 2022 in Berlin und ist heute dezentral aufgestellt– unter anderem in Freiburg, Köln und Dortmund. Heute arbeitet Baukreisel dort, wo Transformation konkret wird: im Bestand, im Materialkreislauf und in den Prozessen dazwischen – vom Reallabor bis zur Umsetzung auf der Baustelle. Denn die Bauwende gelingt nur gemeinsam.
Quelle:
Baukultur Nordrhein-Westfalen e. V.
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