Polizei ist Sprachpanscher 2026

 

 „Speed-Week“ – das klingt wie eine Aufforderung zum Rasen und Drängeln. Dieser Begriff geisterte im vergangenen Jahr erstmals durch die Medien und beschrieb das, was als „Blitzer-Marathon“ deutlich eingängiger war. Die Missachtung eines etablierten Begriffs und das Ersetzen durch einen missverständlichen Anglizismus war den Mitgliedern des Vereins Deutsche Sprache (VDS) die Auszeichnung als Sprachpanscher 2026 wert.

Das europäische Polizeinetzwerk ROADPOL führt die Aktion in fast allen Bundesländern gebündelt durch, in Deutschland wird ROADPOL durch das Land Rheinland-Pfalz (Innenministerium) vertreten. „Dass sich ausgerechnet die Polizei, die mit allen Bürgern unabhängig von ihren Sprachkenntnissen verständlich kommunizieren sollte, für einen englischen Begriff entscheidet, ist völlig absurd“, sagt der VDS-Vorsitzende Prof. Walter Krämer, „der ‚Blitzer-Marathon‘ sorgte für Klarheit, die ‚Speed-Week‘ höchstens für Kopfschütteln.“

Auf dem 2. Platz landete Miguel Berger, der deutsche Botschafter in Warschau. Auf seiner X-Seite sind die Veröffentlichungen meist entweder auf Polnisch – was verständlich ist – oder auf Englisch. Offenbar liegt ihm nicht viel daran zu zeigen, dass Deutsch die Landessprache des Staates ist, welchen er in Polen vertritt.

Lars Keitel, Bürgermeister von Friedrichsdorf (Hochtaunus), belegt den 3. Platz. Was ihn dazu trieb, die Satzung der heimischen Feuerwehr ausschließlich mit weiblichen Personalendungen zu verfassen, wird wohl sein Geheimnis bleiben, denn dies entspricht weder der Realität noch der Verständlichkeit im Sprachgebrauch.

Platz 4 belegt der Schokoladenhersteller Ritter Sport. Das Unternehmen benennt seine Schokoladensorten zunehmend auf Englisch und schließt damit einen Teil unserer Sprachgemeinschaft aus. Bei „Crunchy Peanut“ und „Choco’n Cookie“ braucht man eine Übersetzungshilfe.

Den 5. Platz geht an den Telefon- und Internetanbieter Vodafone, der sich seinen Kunden per „Du“ anbiedert: „Du zahlst bei uns erst, wenn Dein aktueller Vertrag beendet ist“. Damit missachtet Vodafone, dass gerade in geschäftlichen Belangen nicht jeder geduzt werden möchte.

„Viele Unternehmen und Institutionen scheinen keine Lust mehr auf gutes Deutsch zu haben“, so Krämer, „deswegen ist es umso wichtiger, sie regelmäßig daran zu erinnern, wie wichtig eine klare Kommunikation ist, um möglichst alle Empfänger zu erreichen.“ Mit dem Negativpreis „Sprachpanscher“ sollen Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Einzelpersonen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der deutschen Sprache sensibilisiert werden.

Zu den Sprachpanschern der vergangenen Jahre gehörten: der Reifenhersteller Continental, die damalige Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Deutsche Fußballbund.

Quelle:

Verein Deutsche Sprache e. V.
Dipl.-Journ. Dorota Wilke | Pressesprecherin | dorota.wilke@vds-ev.de
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